• Nachtschicht

    Da das Betriebssystem des Rootservers, auf dem unter anderem meine Homepage und dieses Weblog liegen, langsam aber sicher veraltete, war eine Neuinstallation fällig. Die wollte ich auf jeden Fall noch während meines Urlaubs erledigt haben. Also noch dieses Wochenende...Primärziele der Umstellung waren der Umstieg auf schnellere Hardware einerseits und die Migration von SUSE Linux 9.0 auf Debian GNU/Linux "Sarge" andererseits. Nachdem SUSE den Support der 9.0 eingestellt hatte, musste etwas passieren, um die langfristige Betriebssicherheit zu gewährleisten. Daneben wollte ich auch neue Hostnamen einführen, die zukünftige Migrationen vereinfachen sollten.

    Ausserdem entschied ich mich gestern während meiner Vorbereitungen, den Cyrus IMAP-Server gegen Dovecot auszutauschen, nachdem Sebastian und Peter damit gute Erfahrungen machten. Bei Cyrus mit seinen Binärdateien hatte ich nie ein gutes Gefühl, was die Datensicherheit betrifft. Mehr als das eine Mal will ich wirklich nicht erleben, den Inhalt aller Mailkonten zu verlieren. Die Daten von Dovecot hingegen sind durch das Maildir-Format kaum noch anfällig gegen Korruption und lassen sich auch einfacher sichern.

    Der Haken bei der Aktion war, eine komplette Confixx-administrierte Web- und Mailumgebung inklusive Datenbanken für zahlreiche Mitbenutzer des Servers so von SUSE zu Debian zu migrieren, dass möglichst keine Veränderungen spürbar werden. Ein Verlust von Funktionalität oder gar von Daten musste ganz ausgeschlossen sein. Deshalb begann ich gestern nachmittag zusammen mit Kai zunächst mit einem Brainstorming. Die Liste der nötigen Maßnahmenfolge wurde auch recht lang: alle Dienste wie Apache, Confixx, WebGUI, MySQL, Postfix, Dovecot, Majordomo und Spamassassin mussten schließlich sorgfältig migriert werden.

    Gegen 23 Uhr begannen wir mit der Umstellung des Webservers. Die ersten zeitraubenden Probleme entstanden beim Zusammenspiel des WebGUI Content Management Systems mit mod_perl. Was sich zunächst als fehlerhafter Modulsuchpfad darstellte, erwies sich als unbrauchbares Distributionspaket. Das mod_perl-Paket von Sarge ist einfach kaputt[1]. Es war schon nach Mitternacht -- Kai war inzwischen nach Hause gegangen -- als ich ein Backport-Paket der Version 2.0.1 entdeckte. Auch damit lief WebGUI nicht auf Anhieb, weil mit Version 2.0 die mod_perl-API leicht verändert worden war[2]. Aber durch durch einen kleinen Patch ließ sich das schnell fixen.

    Nachdem Apache nun sauber startete, begann der Transfer mehrerer GB an Webdokumenten, der sich entsprechend hinzog, obwohl Quell- und Zielrechner im selben RZ stehen. Auch die Datenbankinhalte wurden übertragen.

    Dann kam Confixx in den Fokus. Gerade ein Konfigurationsprogramm braucht viel Konfiguration, vor allem, wenn man eine ganz andere Mailablage verwendet wie vorher. Dass es keine Debian-Pakete für Majordomo und Majorcool gibt, bedeutete zusätzliche Handarbeit. Ausserdem musste der alte Lizenzschlüssel durch den neuen ersetzt werden. Alle Website-Tests verliefen schließlich erfolgreich, wonach ich alle DNS-Einträge der Webhosts umstellen konnte.

    Mit erfolgreicher Migration aller Webdienste war jetzt das Thema E-Mail an der Reihe. Mit Hilfe von cyrus2courier ließen sich die Postfächer recht einfach in das von Dovecot verwendete Maildir-Format konvertieren. Auch hier waren danach einige MB an Daten ins neue Heim zu transportieren. Nichts ist schlimmer als Mailverlust, deshalb war eine ausgiebige Testphase in den frühen Morgenstunden besonders wichtig. SMTP, IMAPS und Co. schienen jedoch alle zu funktionieren. Mittlerweile schrumpfte meine Geduld, auf die DNS-Caches dieser Welt zu warten, aber ich wollte erst meinen eigenen MX-Record in Aktion sehen, bevor ich die anderen umstellte und auch diesen letzten Teil der Migration ad acta legte.

    Große Probleme tauchten zwar tatsächlich keine mehr auf, aber es war Mittag, als ich den Rolladen herunterließ und mir die Decke über den Kopf zog.

    Das Ergebnis: ein neu installierter Rootserver auf aktuellstem Softwarestand, leistungsfähiger und leichter zu administrieren als sein Vorgänger. Und ein Jochen, der heute früh ins Bett fallen wird.

    fn1. Debian Bug Report: mod_perl in Sarge unbrauchbar

    fn2. APi-Änderungen: mod_perl 2.0 renaming

  • Coke unter Beschuss

    Beim rot-weissen Getränkekonzern ist die Werbefassade allein nicht the real thing". Im Oktober habe ich die "Vorwürfe gegen den Coca-Cola-Konzern entdeckt und mich entschieden, seine Produkte in Zukunft zu meiden. Dass er ausbeuterisch mit Umwelt und Angestellten umgehen soll, hat sich für den Getränkekonzern inzwischen zu einem ernsthaften Imageproblem ausgewachsen.Bereits mehrere US-Universitäten sind inzwischen in den Boykott gegen Coca-Cola,1518,393574,00.html getreten. Bemerkenswert finde ich dabei nicht nur das politische Bewusstsein der amerikanischen Studenten, sondern auch, dass sich hier tatsächlich weitflächiger Protest ausgerechnet gegen eine traditionsreiche US-Ikone regt.

    Dem Getränkeabfüller entstehen durch den Boykott noch keine nennenswerten Umsatzeinbußen, aber ich bin gespannt, wann dem Konzern eine bessere Reaktion einfällt, als nur stur die Vorwürfe von sich zu weisen.

  • Forderung nach neuem Datenschutzgesetz

    Hab ich schon mal erwähnt, dass ich Peter Schaar mag? Ich finde, unser Bundesbeauftragter für den Datenschutz nimmt seinen Job sehr ernst und macht ihn gut. In einem Interview der Berliner Zeitung forderte er jetzt ein neues Datenschutzgesetz, das auf die neuen technischen Entwicklungen abgestimmt ist.Was heutzutage über uns Normalbürger an Daten gesammelt wird, geht schon lange auf keine Kuhhaut mehr, geschweige denn auf eine handelsübliche Festplatte: Einkaufsgewohnheiten, Telefonkontakte, Produktvorlieben, Fahrzeugbewegungen, Gesundheitsdaten und vieles mehr wird heute online und IRL(In Real Life) erhoben, gespeichert und ausgewertet. Insbesondere mit den kommenden RFID-Funketiketten werden unsere Bewegungen im Alltag noch viel detaillierter überwacht werden.

    Wie leider so oft halten unsere Gesetze mit der rapiden Entwicklung der Technik aber nicht Schritt. Deshalb macht sich Schaar für eine Anpassung des Datenschutzgesetzes stark: "Wir brauchen ein neues, umfassendes Datenschutzgesetz. Das alte ist nicht mehr in der Lage, der allgegenwärtigen Datenflut angemessen zu begegnen. Die Defizite sind groß und offensichtlich."

    Was mit diesen ständig anwachsenden Daten geschieht, ist für den Bürger längst nicht mehr transparent. Schaar erklärt: "Es entsteht eine neue Infrastruktur, bei der immerzu und überall Daten verarbeitet werden. Die Frage, wer eigentlich für diese Daten verantwortlich ist, lässt sich dabei kaum noch beantworten."

    Das ist ein besorgniserregende Entwicklung, die schon lange im Gange ist. Ich bin offensichtlich nicht allein in der Wahrnehmung, dass die SPD-Regierung den Datensammlungs - und Überwachungskurs ihrer Vorgängerin nicht geändert, sondern fortgesetzt hat. Und Schaars Bemerkung, dass unser neuer Big Brother Wolfgang Schäuble die Überwachung auch nicht schlimmer macht als sein Vorgänger, zeigt, dass hier weiter leider seit vielen Jahren Kontinuität herrscht. Denn das Gefühl hatte ich schon beim Wechsel von Kanther zu Schily.

    Ich hoffe, dass unser oberster Datenschützer mit seinen Bemühungen Erfolg hat -- damit das Thema der allgegenwärtigen Überwachung, Kontrolle und Steuerung weiterhin auf unterhaltsame Bücher und Filme beschränkt bleibt.

  • Tag, you're it

    Nachdem mir beim Ausprobieren von del.icio.us der Vorteil des Taggens klar wurde, nämlich eine flache Kategorisierung statt einer komplex hierarchischen, will ich es nun auch auf mein Weblog anwenden. Ab sofort werde ich also allen neuen Einträgen mit Hilfe von Garvins FreeTag-Plugin möglichst passende Stichworte zuordnen.

  • Teure Freunde

    Manchmal bin ich mir nicht mehr so sicher, ob es gut ist, wenn einen die eigenen Freunde so gut kennen. Zum Beispiel hat Kai vor kurzem das Netgear WLAN Phone entdeckt und prompt gebloggt Dabei hatte ich mir doch vorgenommen, dieses Jahr mal weniger Elektronik zu kaufen...