• Viele Ängste um Privatsphäre sind begründet

    Wieviel Privatsphäre ist eigentlich notwendig? Haben wir etwas zu verbergen?, fragt sich Augusto. Auch bei ihm macht sich Skepsis breit, ob der Preis für die neuen, nützlichen Anwendungen des Web 2.0 nicht der Verlust der Anonymität und Privatspäre im Internet sein wird[1].

    Martin Röll hingegen ist der Meinung, die meisten Privacy-Ängste sind unbegründet Schließlich interessiere es wirklich niemanden, ob Lieschen Müller gerade aus Italien blogt.

    Ich bin mir (zusammen mit vielen Kommentatoren von Martins Artikel) da nicht so sicher. Warum ließ Lieschen Müller vor der Abreise die Wohnzimmerlampe an? Weil es manche Leute doch interessiert, ob sie zuhause ist.

    Dass sich für unsere im Web verteilten Daten aber auch Parteien interessieren, die das Recht auf ihrer Seite haben, erklärt Bernie Goldbach in seinem Blogeintrag Your data from the cradle to the grave Und sei es nur, weil manche Regierungen gern das Recht nach den Interessen dieser Parteien, zum Beispiel der Musikindustrie, gestalten. Das belegt Bernie mit einem Zitat aus der New York Times:

    At the meeting with privacy experts yesterday, Justice Department officials focused on wanting to retain the records for use in child pornography and terrorism investigations. But they also talked of their value in investigating other crimes like intellectual property theft and fraud, said Marc Rotenberg, executive director of the Electronic Privacy Information Center in Washington, who attended the session.

    Und natürlich werden die Unternehmen, denen ich meine Daten anvertraue, die ersten sein, die sie nutzen. Ich stelle heute schon fest, dass Amazon mich recht geschickt auf "interessante" Angebote stößt. Wie wird das werden, wenn überall Hinweise auf meine Vorlieben und Gewohnheiten gespeichert sind -- und diese gar durch Data Mining miteinander verknüpft werden? Unternehmen, die mit Werbung Geld verdienen, haben natürlich ein Interesse daran, diese optimal zu präsentieren. Ich arbeite selbst täglich mit Technologie, die genau dieses Ziel verfolgt.

    Deshalb werde ich eher vorsichtig sein, denn meiner Meinung nach sind die Ängste vor dem gläsernen Surfer keineswegs unbegründet.

    fn1. Wobei mir nicht ganz klar ist, wieso das durch einen Slashdot-Artikel ausgelöst wurde. Schreib ich Polnisch? ;-)

  • Nicht Fleisch, nicht Fisch

    Wenn zwei sich streiten, freut sich der, der beide zufriedenstellen kann." Das dachte sich wohl FiWin, eine Tochterfirma des Fernost-Elektronikunternehmens FIC, als sie die WLAN-Telefone "FX28S und SS28S entwickelte. Diese Funktelefone erlauben es, bei der Internet-Telefonie zwischen SIP und Skype zu wählen, denn beide VOIP-Verfahren werden unterstützt.

    Vom Aussehen her machen sie keinen besonders wertigen Eindruck, aber dass es möglich ist, die beiden konkurrierenden VOIP-Ansätze in einem Telefon zu vereinen, lässt auf weitere Entwicklungen hoffen.

  • Versagen durch Vertagen

    Große Probleme bräuchten eine große Koalition -- das wollte man uns zumindest nach den Wahlen weismachen. Heute bewahrheiten sich die Befürchtungen derer, die vorhersagten, dass SPD und CDU/CSU sich lieber Knüppel zwischen die Beine werfen als gemeinsam die Steine auf dem Weg zu einem besseren Staat wegräumen würden. Die FAZ legt dies in einer Kolumne mit dem Titel Große Koalition: Spezialdisziplin Vertagen~E253D68E01B9E4CB992CA41EF4BD5FB65~ATpl~Ecommon~Scontent.html anhand augenfälliger Beispiele dar.

    Die große Koalition sollte ein gut laufendes Getriebe sein, das den Staat voranbringt. Ein halbes Jahr nach der Wahl gleicht sie jedoch einem Haufen zusammengewürfelter Zahnräder, die sich gegenseitig blockieren. Egal, ob es um das Gesundheitswesen, um Einkommen und Pflege im Alter oder um die Steuerreform geht: alles sind stagnierende Projekte, in denen die Verantwortlichen auf Zeit spielen, vertrösten und Ergebnisse ankündigen, die dann nicht eintreten.

    Alles bleibt beim Alten, weil zu viele Wähler auf Altbewährtes setzten. Schade für Deutschland.

  • Deep Impact indeed

    Wer wissen möchte, was von unserer blauen Kugel übrig bleibt, wenn sie einem größeren Gesteinsbrocken begegnet, der sollte sich diese beeindruckende Computeranimation eines Meteoriteneinschlags anschauen.

    (Ich hab die Definition nicht zur Hand, aber ich glaube, eigentlich ist "Meteor" für ein Teil dieser Größe die richtige Bezeichnung.)

  • Der iPod rock(box)t

    Mag ja sein, dass Ed seine Schwierigkeiten mit dem iPod hat, ich hingegen bin sehr zufrieden, dass ich meinen Rio Karma gegen einen iPod Nano 4GB eingetauscht habe.
    Meine Hauptmotivation für den Kauf war, dass ich einen Musikplayer für den Sport brauchte. Nachdem ich dank MyJogging.de meine Kondition von 3 Minuten auf 30 Minuten Dauerlauf gesteigert habe, regte sich bei mir der Wunsch nach etwas antreibender Musik für unterwegs. Dafür kam nur ein Player mit Flashspeicher in Frage, denn Festplatten leiden unter Erschütterungen noch mehr als meine Knie.

    Und weil meine gesamte Musiksammlung im Ogg-Vorbis-Format vorliegt, war die Fähigkeit, Ogg-Dateien abzuspielen, nicht nur optional. iRiver hatte seinen ersten Playern diese Fähigkeit gegeben und damit schnell Beliebtheit bei Freunden des offenen Formats gewonnen. Bei den aktuellen Flash-Modellen hat man aber leider den Fehler gemacht, es nicht mehr zu unterstützen. Und auch für die meisten anderen Hersteller ist "Ogg" wohl immer noch nur ein komisches Geräusch.

    Die iPods sind noch proprietärer, denn Apple bevorzugt nicht nur das hauseigene Musikdateiformat und lässt Ogg links liegen, sondern erwartet auch vom Anwender, die iTunes-Software zu verwenden. Auch die Software der Player selbst ist gewöhnungsbedürftig, weil sie Musik nicht nach Dateinamen und Ordnern organisiert, sondern nach den Metainformationen in den Dateien -- wehe, die ID3-Tags sind nicht konsequent gepflegt.

    An der Hardware der iPods ist andererseits wenig auszusetzen, und der iPod Nano ist wie geschaffen für den Sport (was Apple derzeit ja auch durch die Partnerschaft mit Nike unterstreicht). Wie gut, dass es mit Rockbox eine alternative Software für den iPod (und andere Player) gibt. Die Rockbox-Software kann zusätzlich zur Apple-Firmware installiert werden. Ein modifizierter Bootblock ermöglicht es, sich beim Starten des Players für die eine oder andere Variante zu entscheiden.

    Rockbox beschert dem iPod viele bislang fehlende Funktionen, darunter Ogg-Fähigkeit und "gapless playback", also das Abspielen von Livealben ohne Zwangspausen zwischen den Titeln. Eine Bookmark-Funktion ist vor allem für Podcasts und Hörbücher nützlich, die man nicht am Stück anhören kann. Und wie man es von Open-Source-Software erwartet, kann Rockbox mit Themes und Plugins individuell erweitert werden. Themes erlauben es, die grafische Anzeige zu verändern, und durch Plugins wird aus dem Player ein Universalgerät, das auch zum Spielen (u.a. Solitaire, Sudoku und Doom), Rechnen oder Lesen von Texten genutzt werden kann.

    Damit war meine Entscheidung klar -- für den alten Player besuchte ich eBay, für den neuen Amazon (rechtzeitig zur Preissenkung). Egal, ob ich jetzt lange Strecken zu Fuß oder in der Bahn zurücklege -- der Rockbox-iPod wird mir ein steter Begleiter sein.