Der iPod rock(box)t

Mag ja sein, dass Ed seine Schwierigkeiten mit dem iPod hat, ich hingegen bin sehr zufrieden, dass ich meinen Rio Karma gegen einen iPod Nano 4GB eingetauscht habe.
Meine Hauptmotivation für den Kauf war, dass ich einen Musikplayer für den Sport brauchte. Nachdem ich dank MyJogging.de meine Kondition von 3 Minuten auf 30 Minuten Dauerlauf gesteigert habe, regte sich bei mir der Wunsch nach etwas antreibender Musik für unterwegs. Dafür kam nur ein Player mit Flashspeicher in Frage, denn Festplatten leiden unter Erschütterungen noch mehr als meine Knie.

Und weil meine gesamte Musiksammlung im Ogg-Vorbis-Format vorliegt, war die Fähigkeit, Ogg-Dateien abzuspielen, nicht nur optional. iRiver hatte seinen ersten Playern diese Fähigkeit gegeben und damit schnell Beliebtheit bei Freunden des offenen Formats gewonnen. Bei den aktuellen Flash-Modellen hat man aber leider den Fehler gemacht, es nicht mehr zu unterstützen. Und auch für die meisten anderen Hersteller ist “Ogg” wohl immer noch nur ein komisches Geräusch.

Die iPods sind noch proprietärer, denn Apple bevorzugt nicht nur das hauseigene Musikdateiformat und lässt Ogg links liegen, sondern erwartet auch vom Anwender, die iTunes-Software zu verwenden. Auch die Software der Player selbst ist gewöhnungsbedürftig, weil sie Musik nicht nach Dateinamen und Ordnern organisiert, sondern nach den Metainformationen in den Dateien — wehe, die ID3-Tags sind nicht konsequent gepflegt.

An der Hardware der iPods ist andererseits wenig auszusetzen, und der iPod Nano ist wie geschaffen für den Sport (was Apple derzeit ja auch durch die Partnerschaft mit Nike unterstreicht). Wie gut, dass es mit Rockbox eine alternative Software für den iPod (und andere Player) gibt. Die Rockbox-Software kann zusätzlich zur Apple-Firmware installiert werden. Ein modifizierter Bootblock ermöglicht es, sich beim Starten des Players für die eine oder andere Variante zu entscheiden.

Rockbox beschert dem iPod viele bislang fehlende Funktionen, darunter Ogg-Fähigkeit und “gapless playback”, also das Abspielen von Livealben ohne Zwangspausen zwischen den Titeln. Eine Bookmark-Funktion ist vor allem für Podcasts und Hörbücher nützlich, die man nicht am Stück anhören kann. Und wie man es von Open-Source-Software erwartet, kann Rockbox mit Themes und Plugins individuell erweitert werden. Themes erlauben es, die grafische Anzeige zu verändern, und durch Plugins wird aus dem Player ein Universalgerät, das auch zum Spielen (u.a. Solitaire, Sudoku und Doom), Rechnen oder Lesen von Texten genutzt werden kann.

Damit war meine Entscheidung klar — für den alten Player besuchte ich eBay, für den neuen Amazon (rechtzeitig zur Preissenkung). Egal, ob ich jetzt lange Strecken zu Fuß oder in der Bahn zurücklege — der Rockbox-iPod wird mir ein steter Begleiter sein.