Nicht Mönche, sondern Töpfer

Anfang der Neunziger schlug das Buch Verschlusssache Jesus” große Wellen. Seine Autoren stellten darin die These auf, dass die Schriften, die Mitte des 20. Jahrhundertes bei Qumran gefunden worden waren, Zündstoff für die christlichen Kirchen enthielten und deshalb einige Schriften vom Vatikan unter Verschluss gehalten würden. Das wurde jedoch schnell widerlegt. Nach einigen Jahren der Ruhe krempeln jetzt aber “neue wissenschaftliche Erkenntnisse,1518,383477-2,00.html die bisherigen Analysen wieder komplett um.Der ganze damalige Rummel um die angebliche “Verschlusssache” interessierte mich und ich legte mir einiges an Literatur zu dem Thema zu.

Die Verschwörungstheorie wurde schnell von kompetenten Wissenschafltern widerlegt. Große Bedeutung schrieben aber auch diese dem Fundort zu, wenn auch in anderem Sinne: er habe ein Kloster der Essener, einer jüdischen Sekte, beherbergt. Diese (durchweg männlichen) Essenermönche hätten nach strengen Regeln gelebt und im Akkord Schriften verfasst, die wichtige Einblicke in die Sekte gewährten.

Nun wirft das neu erscheinende Buch “Qumran – die ganze Wahrheit” von Yizhar Hirschfeld, einem Forscher der Universität Jerusalem, ein gänzlich anderes Licht auf das vermeintliche geistlichee Zentrum: demzufolge sei Qumran Stätte eines Gutshofes gewesen, nicht eines Klosters. Auch die anderen bisher aufgestellten Vermutungen gingen völlig in die falsche Richtung, zum Beispiel hätten die vielen gefundenen Becken nicht Taufriten gedient, sondern Töpfern, die darin ihre Werke säuberten. Die Schriften seien deshalb nach Qumran gelangt, weil sie dort vor den römischen Besatzern versteckt werden sollten. Sie enthielten auch Lyrik und nichtreligiöse Abhandlungen, was der Annahme widerspricht, dass es sich überhaupt um die Bibliothek einer jüdischen Sekte handele.

Generell widersprechen diese neuen Erkenntnisse enorm der bisherigen Interpretation der Funde vom Toten Meer. Ich finde es interessant, wie sich ganze Teams von Wissenschaftlern irren können. Aber ich fürchte, ich werde nicht mehr die Zeit haben wie vor etwa 10 Jahren, mich weiter in das Thema einzulesen.